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EXISTENZSICHERUNG

Project Info

Project Description

Ziegen, die das Überleben sichern

Das Kernstück vom Besitz einer nomadischen Familie ist weltweit die Herde. Sie ist es, welche den Rhythmus des Wanderns bestimmt. So ziehen marokkanische Nomaden auch heute noch im Abstand von einigen Tagen oder Wochen zusammen mit ihren Dromedaren, Ziegen, Schafen, Eseln und ihrem Zelt von einem Weidplatz zum nächsten.

Doch die nomadischen Gemeinschaften in der Sahara sind in ihrer Existenzgrundlage und Lebensform bedroht: Seitdem die nationalstaatlichen Grenzen Afrikas Ende der 50-er anfangs der 60-er Jahre geschlossen wurden, sind die Bewegungsräume für die Herden und ihre Besitzer enger geworden. Zudem verloren viele Familien aufgrund anhaltenden Dürrezeiten oder Stürme ihre Tiere. Sie sahen sich gezwungen, sich irgendwo am Rande eines Siedlungsgebiets provisorisch niederzulassen und ihren Wohnraum schweren Herzens vom beweglichen Zelt in ein lehmgestampftes Haus zu verlagern. Da die älteren Nomaden keine Schule absolviert haben und es in Südmarokko praktisch nur in den touristischen Zentren und zum Teil in der Landwirtschaft saisonale Arbeitsplätze gibt, ist es für eine zugezogene Familie sehr schwierig, am Wüstenrand zu überleben, geschweige denn, eine Schulbildung für die Kinder zu finanzieren.

Projektidee

Tiere sind das Kapital der Nomaden. Sie ermöglichen mit Ihrer Spende den Aufbau einer Existenz.

In Absprache mit einer ortskundigen Person werden die ärmsten Familien des Dorfes ausgewählt. Wir besuchen die Familien und machen uns ein Bild ihrer Situation. Oft treffen wir auf alleinerziehende Frauen, oder Familien in denen der Mann aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeitsfähig ist.

Jede der ausgewählten Familien bekommt zwei trächtige Geissen einer Rasse, die zweimal pro Jahr wirft. So kann sich die Herde in einem Jahr um bis zu 5 Geissen vergrössern. Die Tiere liefern Milch und können für notwendige Anschaffungen verkauft werden. Ausserdem ermöglichen sie den Familien die Teilnahme am religiösen und sozialen Leben.

Wir wollen mit unserem Impuls von aussen auch die Solidarität innerhalb der Gemeinschaft fördern. Die beschenkten Familien geben nach ein bis zwei Jahren ein Tier an eine weitere bedürftige Familie ab. So leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe.

Projektverlauf

Im Februar 2018

Während zwei Tagen reisten Alessandra, Abdellah, Naji und Iren mit einem 4X4 nach Ifinirir und wieder zurück. Zu Gast waren wir dieses Mal bei Mohammed und Rabia. Da wir Ifinirir schon lange nicht mehr besucht hatten, waren 3 von 4 Familien, denen wir vor drei Jahren Ziegen abgegeben haben, bereits wieder um- oder weitergezogen. Zudem hatte der Dorfchef vor drei Jahren die Ziegen anders verteilt als ursprünglich abgemacht war. Wir beschlossen deshalb, dass wir für die Abgabe der Ziegen eine zuverlässige Koordinationsfamilie suchen müssen, die die Weitergabe der Ziegen koordiniert für den Fall, dass eine Familie die Gegend verlässt. Spontan fragten wir unsere Gastfamilie. Rabia und Mohamed waren bereit, diese Aufgabe zu übernehmen sowie eine laufende Liste zu führen, mit den Familien, welche dringend eine neue Einkommensquelle brauchen.

Sowohl beim Besuch der Familie Chedei als auch bei Fatima. stellten wir fest, dass sich die Futtersuche für die Ziegen schwierig gestaltete. Der ältere Sohn der ersten Familie ist beim Gehen nun ebenfalls eingeschränkt. In der Folge verkaufte die Familie ihre Ziegen und Familie El Aabd Zardani verfügt schlichtweg über zu wenig Erfahrung im Umgang mit Tieren, sodass von den ursprünglichen 4 Ziegen nur noch drei übriggeblieben sind. Uns wurde einmal mehr bewusst, wie wichtig es beim Besuch einer neuen Familie ist, genau abzuklären, ob die Frauen Erfahrung, Zeit und Energie haben, um sich gut um die Ziegen zu kümmern. Dies haben wir bei den 5 Familien, welche wir neu ins Projekt aufgenommen haben, denn auch gemacht.

Im April 2017

Iren und Alessandra waren Mitte April 6 Tage zusammen mit Abdellah Naji für das Ziegenprojekt in Südmarokko unterwegs. Da es seit mehr als einem Jahr nicht mehr geregnet hat, ist es im südlichen Draa-Tal sehr trocken. Viele Palmen haben teilweise dürre Blätter. Das leicht salzige Wasser muss aus 30 Metern heraufgepumpt werden und Familien, welche Tiere haben, müssen seit Monaten Hafer zukaufen oder für frisches Grünfutter weit suchen gehen. Von den nomadischen Familien, welche die Möglichkeit hatten sich aufzuteilen, ist ein Teil der Familie mit der Herde in Gebiete der Westsahara gezogen, wo im letzten Jahr genügend Regen gefallen ist, um die Herden zu ernähren. Die Frauen sind mit den schulpflichtigen Kindern im Haus oder im Zelt zurückgeblieben.

In Mellal wurde viel Land südlich der Häuser der niedergelassenen Nomaden für wenig Geld an einen ehemaligen Dorfbewohner verkauft. Dieser baut dort eine riesige Plantage an, welche mit einer hohen Mauer umgeben ist. Dadurch können die Bewohner vom Nomadenquartier in Mellal kein Grünfutter mehr in der unmittelbaren Nähe der Gärten sammeln. Die Berge im Westen sind auch kahl und so muss Grünfutter bis nach Banisoli, einem der benachbarten Dörfer von Mellal, geholt werden, was für die Frauen täglich mehrere Kilometer Weg bedeutet. Die Aussichten, dass sich diese Situation wieder verbessert, stehen schlecht, da das Gebiet, vor dem die Häuser der ehemaligen Nomaden aktuell stehen, ebenfalls überbaut werden soll und zwar mit einer Tankstelle und einem Shop. Die in Mellal niedergelassenen Nomaden sind weiterhin geduldet, d.h. sie können nicht vertrieben werden. Sie haben jedoch kein Recht mehr, neue Häuser zu bauen, Gärten anzulegen oder ihre Häuser zu vergrössern.

Alessandra und Iren haben insgesamt 7 Familien besucht, welche 2015 und 2016 Ziegen erhalten haben und konnten eine sehr positive Bilanz ziehen. Fast alle Familien konnten den Ziegenbestand in diesen 1-2 Jahren erheblich erhöhen und haben sich dadurch eine existenzsichernde Grundlage geschaffen. Dies freut uns wie auch unseren Projektpartner Abdellah Naji ausserordentlich. Wir haben auch von den Familien viele positive Feedbacks erhalten. Neue Familien freuen sich, an diesem Projekt teilnehmen zu können und geben ihre Erfahrungen an andere weiter.

Ausserdem wurden in der Umgebung von Tissergate, Zagora und Mellal 4 Familien neu ins Projekt aufgenommen.

Die Nomaden in Foum-Zguid konnten nicht besucht werden, da ein Teil der Familien mit ihren Herden in die West-Sahara gewandert waren.

Im Februar 2016

besuchten Alessandra und Iren fast alle Familien, welche 2015 in Tizergate, Mellal und in Tinsouline Ziegen erhalten hatten. Bei allen Familien gedeiht die Herde: Auch hier wurden aus den ursprünglichen beiden Ziegen während einem Jahr 5-7 Tiere, sodass alle Familien dankbar und zufrieden sind. 4 Familien werden in den nächsten Wochen je eine Ziege an eine neue Familie weitergeben. Bei 3 Familien haben wir beschlossen mit der Abgabe zu warten, da sie viele Ziegenböcke hatten und bei einer Familie ist eine Mutterziege bei der Geburt von 2 Jungen gestorben. Ins Projekt aufgenommen wurden dieses Jahr nur 3 Familien in Mellal und Tinsouline. Bei 3 weiteren Familien in Zagora laufen noch Abklärungen.

Im Februar 2015

Anfangs Februar sind Alessandra und Iren nach Südmarokko gereist. Es war eine spezielle Erfahrung, die ganze Fahrt von Ouarzazate bis nach Tizergate strömendes Wasser im Draa zu sehen. In allen Dörfern stiegen die Familien mit ihren Eseln in die höchsten Felsen hinauf, um die Lieblingskräuter und Blumen ihrer Tiere zu sammeln. Auf der Strecke zwischen Zagora und Foum Zguid standen überall Zelte und grasten Dromedare, Schafe und Ziegen.

Beim Besuch der Projektfamilien wurde schnell klar, dass die unerbittliche Härte des vergangenen dürren Jahres, die eine oder andere Familie veranlasst hatte, einzelne Tiere vorzeitig zu verkaufen, d.h. bevor eine Ziege ans Projekt zurückgegeben werden konnte. Dazu muss man wissen, dass in nomadischen Familien Ziegen, Dromedare und Schafe nur unter sehr grossem finanziellen Druck verkauft werden.

Eine der nomadische Familie hatte jedoch alle Ziegen verkauft und / oder geschlachtet. Alessandra und Iren einigten sich zusammen mit Abdellah, dass keine weiteren Schritte in dieser Sache unternommen werden, denn sowohl in Mellal als auch in Tinzouline, also in einem Umkreis von rund 200 Km vom Zelt der besagten Familie weg, war spürbar, dass man sich für die besagte Familie schämte (die Leute vom gleichen Stamm) oder über sie lachte (die Leute anderer Stämme), und entrüstet war, dass diese sich so dreist über die mündlichen Abmachungen hinweggesetzt hatte.

Auch Familien mit grösseren Herden hatten während der langen Zeit vor dem Dezember-Regen arg zu leiden gehabt: Als Ersatz für die fehlenden Gräser und Kräuter im letzten Jahr haben sie grosse Mengen Hafer dazu kaufen müssen, womit sich nicht wenige von ihnen ziemlich hoch verschuldeten. Machschub und seine Familie hatten beispielsweise während der Futterknappheit für 20’000 Dirham, das sind rund 2000 Euro, Getreide einkaufen müssen.

Während ihres Aufenthalts konnten Alessandra und Iren in Zusammenarbeit mit Abdellah insgesamt 15 neue Projektfamilien aus 4 verschiedenen Dörfern aufnehmen. Darunter waren 5 nomadische Familien. Da diese in einem Umkreis von mehr als 100 Kilometern ihre Zelte aufgestellt hatten, wäre es zu aufwendig geworden, jede einzeln zu besuchen. Wir vertrauten den Berichten von Machschub und Aicha über die Lebenssituation in den einzelnen Zelten.

Bis jetzt konnten insgesamt 34 Familien von diesem einkommensschaffenden Projekt profitieren. Im Februar 2016 wird in Zusammenarbeit mit Abdellah Naji die nächste Projektetappe umgesetzt werden können.

Im Februar 2014

haben Abdellah und Iren alle Projektfamilien aus der 1. Projektphase besucht, um zu überprüfen, wie nachhaltig das Projekt ist. 5 von 6 Familien waren nach knapp zwei Jahren in der Lage, für das Notwendigste bezüglich Haushalt und Gesundheit der Familie selbständig aufkommen zu können. Obwohl in vielen Gegenden Südmarokkos nur sehr spärlich Regen gefallen war und es dementsprechend wenig Grünfutter für die Ziegen gab, konnten alle Familien den Nahrungsbedarf für die Tiere gut abdecken. Dies war ausser den klar ersichtlichen Bemühungen der einzelnen Familien auch dem Umstand zu verdanken, dass der marokkanische Staat angefangen hatte, subventionierten Hafer als Zusatzfutter an Familien mit Tieren abzugeben.

Im April 2013

reisten Iren und Alessandra nach Südmarokko. Von den 6 ersten Projektfamilien hatten drei inzwischen eine ansehnliche Herde von 9-12 Ziegen. Damit war ihre Lebensgrundlage für die nächsten 2 Jahre einigermassen gesichert, sodass sie sich das Notwendigste für ihren Alltag nun selbstständig finanzieren konnten. Für Alessandra, Iren und Abdellah war es berührend, die Freude der Familien an ihrer Herde mitzuerleben.

Zwei Familien aus Ifnirir hatten im April erst 5 Tiere, da bei ihnen überdurchschnittlich viele männliche Zicklein zur Welt gekommen sind, wobei aber noch je eine Ziege trächtig war. Eine dieser Familien ist in der Zwischenzeit ins 60 km entfernte Rissani umgezogen und hat aber ein Jungtier ins Dorf zurückgeschickt.

In einer der Projektfamilien berichtete uns eine Frau, dass ausser einem männlichen Jungtier alle an einer Krankheit gestorben seien. Ähnliches hat sie bereits vorher zweimal mit anderen Tierarten und Rassen erfahren.

In Im April 2013 wurden in Ifinirir wiederum 4 neue Familien ins Projekt aufgenommen. Ausserdem kamen drei weitere Familien aus Mellal (ebenfalls eine Spontansiedlung für ehemalige nomadische Familien zirka 9 km von Tizergate Richtung Ourazazate) und zwei aus einem Quartier ehemaliger Nomaden ausserhalb von Tinzouline dazu. Neu wurden in dieser 2. Projektetappe auch 4 nomadisierende Familien ins Projekt aufgenommen, welche ihre Zelte in der Umgebung von Fium Zguid aufgeschlagen hatten. Mit Hilfe von Machschub und seiner Frau Aicha, unserer nomadischen Koordinationsfamilie in der Umgebung von Fium Zguid, fanden Abdellah, Alessandra und Iren die vier weit verstreuten Zelte, um auch bei ihnen die Situation vor Ort zu besichtigen.

Auch in der 2. Projektetappe wurden verschiedene Stämme berücksichtigt: 3 Familien kamen aus dem Nouaji-Stamm, 6 aus dem Stamm der befreundeten Krsäbi sowie 4 Familien aus dem Stamm der Ait Chabäsch.

Im Mai 2012

hat Moula Moula Suisse den 6 ärmsten Familien aus dem Dorf je 2 trächtige Ziegen und einen Bock finanzieren können. Die Projektfamilien sind auf alle 6 lokalen Stämme und Fraktionen verteilt worden. Ausgewählt wurden sie zusammen mit dem Dorfvorsteher von Ifinirir und Abdellah Naji, unserem lokalen Projektverantwortlichen in Marokko.

Als die Ziegen anfangs Mai ins Dorf gebracht worden waren, hatten die meisten Muttertiere bereits geworfen. Um Streitigkeiten zu vermeiden wurden die Ziegen per Los an die Familien verteilt. Pro trächtige „Projekt-Ziege“ wurde durchschnittlich 250 Euro bezahlt. Das ist für lokale Verhältnisse ein stattlicher Betrag. Eine klassische trächtige „nomadische“ Ziege kostet zwischen 70 und 150 Euro, braucht aber viel Auslauf, trägt pro Jahr nur einmal und gibt nur sehr wenig Milch. Die „Projekt- Ziegen“ hingegen geben gut Milch, sodass die Familien mit der Zeit auch Butter und Käse herstellen können. Ausserdem werfen die Ziegen durchschnittlich zweimal pro Jahr. Die Ziegenrasse stammt ursprünglich aus den Kanarischen Inseln und ist heute aber auch in der West-Sahara verbreitet. Dort wurden die Ziegen für Ifinirir denn auch auf dem Markt gekauft und Mitte Mai in einem Camion ins Dorf transportiert.

Ifinirir liegt auf einer alten nomadischen Wanderroute ungefähr 140 Kilometer nordöstlich von Zagora und rund 25 Kilometer südlich von Rissani. Das Dorf ist eine Siedlung ehemaliger Nomaden, welche seit rund 25 Jahren existiert. Dort leben Familien aus verschiedenen Stämmen und Stammesgruppen.

In den vergangenen Jahren hat Ifinirir immer wieder ein bisschen Regen erhalten, sodass im Süden des Dorfes ein Grüngürtel aus Tamarisken und Oscherbäumen (Hassaniya: Turza) vorhanden ist. Gefüttert werden die Ziegen deshalb mit den fleischigen Blättern des Turza-Baumes und etwas Tamarisken und aufgeweichten Brot, sowie, wenn genügend Regen fällt, auch mit Ruccola und Luzerne.

 

 

 

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